Vorsicht Ozon

Während Ozon in der Stratosphäre eine wichtige Schutzfunktion wahrnimmt, ist es in Bodennähe für die Gesundheit von Lebewesen und für die Vegetation äußerst gefährlich und schädlich. Ozon gehört zur höchsten Stufe (Stufe 3) in der Liste der krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Stoffe (siehe Technische Regeln für Gefahrstoffe, TGRS 905).

 

Gleichwohl werden Ozon generierende Geräte und somit Ozon für desinfektorische Zwecke eingesetzt. Doch sollte hier fein unterschieden werden. Die Ozonierung von Trinkwasser ist ein standardisiertes Verfahren und wegen seiner Eigenschaften im Wasser auch gut geeignet.

 

Anders ist die Raumluftdesinfektion zu beurteilen. Während das US-Gesundheitsministerium und die US-Umweltschutzbehörde (EPA) die Nutzlosigkeit und Gefährlichkeit von Ozongeneratoren zur Reinhaltung der Raumluft öffentlich kundtun und mit entsprechenden Studien unterlegen, gibt es in Deutschland keinerlei Hinweise von staatlichen Gesundheitsstellen. Allerdings rät das Umwelt-bundesamt seit August 2015 im Rahmen der Stellungnahme zu Luftreinigern vom Einsatz deartiger Geräte ab. Mehr dazu unter Stellungnahme zu Luftreinigern.

 

Die Wirkung von Ozon hängt nämlich von der Schadstoffmenge oder Geruchskonzentration, der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit ab. Diese Parameter alle gleichzeitig zu berücksichtigen und somit richtig zu dosieren ist nahezu unmöglich, selbst die Gerätehersteller geben immer nur ca. Werte an. Die Folge sind häufig Unter- oder Überdosierung mit anschließendem Ablassen des Ozons in die Umwelt.

 

Aufgrund des Zerfalls in zuerst atomaren und später in den weniger wirksamen molekularen Sauerstoff und wegen seines geringen Eindringvermögens in biologisches Material ist Ozon zur Raumluftdesinfektion oder zur Lebensmittelkonservierung nur wenig geeignet. (Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinärmedizin, 2010)

 

Der schlechte Geruch verrauchter Räume sollte ebenfalls besser nicht mit einem Ozon generierenden Luftreiniger (Ozon-Generator) beseitigt werden, wie das zum Beispiel oft in Hotels, Autos und auch manchen Wohnungen gehandhabt wird. Das empfehlen jedenfalls die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung (DLS) in Hannover. Hintergrund sind wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Ozon sich mit Nikotin und weiteren Bestandteilen des Zigarettenrauches zu feinstaubhaltigen Aerosolen verbindet, die bis in die kleinsten Atemwege eindringen können (Lungenärzte im Netz).

 

Empfehlungen von Herstellern der Ozon-Generatoren sprechen von einer Ozonkonzentration für Häuser und Wohnungen, die nicht über 2.500 mg/h gehen, da die Gefahr besteht, dass Dichtungen, Kabel, Kupferleitungen, usw. oxidieren und sich gegebenenfalls zersetzen. Gleichwohl sind im Markt Geräte zu finden, die eine Ozonproduktion von bis zu 7.000 mg/h abliefern.

 

Zu guter letzt sollte berücksichtigt werden, dass die Halbwertzeit von Ozon lt. Information der Berufsgenossenschaft zwischen 20 und 100 Stunden liegt. Beschwerden wie „in meinem Auto riecht es immer noch nach Fotokopierer“, sind daher immer wieder zu hören. Hinzu kommt, dass nachweislich viele chemische Substanzen in der Raumluft Reaktionsprozesse eingehen, die über Monate und Jahre dauern (Boeniger, Mark F. 1995. Use of Ozone Generating Devices to Improve Indoor Air Quality. American Industrial Hygiene Association Journal. 56: 590-598).

 

Ozon ist ein Reizgas und sollte aus den oben genannten Gründen nicht für die Raumluftdesinfektion bzw. Geruchsbeseitigung eingesetzt werden.