Innenraumluft

Aus Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA) weiss man, dass sich Erwachsene im Alter von 25 bis 69 Jahren durchschnittlich 20 Stunden, also über 80 % der Zeit, in Innenräumen aufhalten. Unter Innenräumen werden allgemein folgende Räume verstanden:

 

1) Private Wohn- und Aufenthaltsräume,

2) Räume in öffentlichen Gebäuden,

3) Arbeitsräume und Arbeitsplätze, auf die nicht die Regeln   des Gefahrstoffrechtes Anwendung finden, aber auch

4) Fahrgasträume von Kraftfahrzeugen und öffentlichen Verkehrsmitteln.

 

Bei allen Innenräumen ist zu beachten, dass sich das Raumklima nur unwesentlich von der Außenluft beeinflussen lässt und somit praktische über eine eigene Autonomie verfügt. Dieses eigene "Mikroklima" kann durch physikalische Faktoren, wie z.B. die Luftfeuchte, durch chemische Faktoren, wie z.B. Gase und Dämpfe und durch biologische Faktoren, wie Schimmelpilze, Bakterien oder Bioeffluentien stark beeinflusst werden. Das Befinden der Raumnutzer und mögliche gesundheitliche Gefährdungen hängen daher von einem "gesunden" Raumklima ab. Wie komplex und umfangreich die möglichen Schadstoffe sein können, zeigt die nachfolgende (nicht abschließende) Aufzählung:

 

Schadstoffe in der Raumluft und deren Herkunft

  • Asbest Bauprodukte, alte Wand- und Deckenverkleidungen, alte Bodenbeläge (bis 1982), alte Dachbedeckungen,
  • DDT Holzschutzmittel bis 1972, in der DDR bis in die 80er Jahre,
  • Flammschutzmittel (z. B. die Phosphorsäureester TCPP, TCEP und TDCPP, bromierte Flammschutzmittel (PBDPE, PBBP oder TBBA) aus Möbeln, Textilbezügen, Polstern, Matratzen, Gehäusen etc. aus Kunststoffen; TCEP auch in Möbel und Parkettpolituren
  • Flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus Bau- produkten, Lösemitteln, Möbeln, Lacken, Farben, Tabakrauch und Heimwerken,
  • Formaldehyd aus Spanplatten, Möbeln, Lacken und aus Tabakrauch,
  • Isocyanate aus Lacken, Klebern, PU-Schäumen und Spanplatten,
  • Kohlendioxid (CO2) aus Atmung,
  • Kohlenmonoxid (CO) durch Ofenheizung und Tabakrauch, aber auch Außenluft,
  • Künstliche Mineralfasern aus Bauprodukten
  • Lindan aus Holzschutzmittel (bis 1977),
  • Mikrobielle Verunreinigungen aus Feuchteschäden, menschliche Aktivitäten, Luftbefeuchtern,raumluft-technische Anlagen, Duschaerosolen und Außenluft,
  • Mykotoxine, Pilzsporen, MVOC(= leicht flüchtige organische Verbindungen) aus Schimmelpilzen,
  • Pentachlorphenol (PCP) aus Holzschutzmittel (bis 1989)
  • Phthalate aus Weich-PVC-Produkten, z. B. Bodenbeläge, Kabelummantelungen und Spielzeugen,
  • Polychlorierte Biphenyle (PCB), Polychlorierte Terphenyle (PCT), Chlorparaffine (CP) aus Dichtungs-fugen, Parkettkleber (1955-1975)
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und oxidierte PAK aus teerhaltigen Produkten, z.B. alte Parkettkleber (50er Jahre), aus Tabakrauch, vom offenen Kamin und aus Autoabgase,
  • Pyrethroide Mottenschutzmittel, z. B. in Teppichböden
  • Radon Gesteinsschichten (regional)
  • Schwebstaub aus Tabakrauch, Ofenheizung und Heimwerken
  • Schwefeldioxid (SO2) aus der Außenluft und Ofenheizung (Braunkohle),
  • Schwerflüchtige organische Verbindungen (SVOC) aus Bauprodukten, aus dem Inventar, aus Heimwerken und Tabakrauch,
  • Schwermetalle aus Farben, Lacken, Tabakrauch und Außenluft
  • Staubniederschlag aus Tabakrauch, Ofenheizung, Heimwerken und andere menschliche Aktivitäten,
  • Stickstoffdioxid (NO2) vom Gasherd, der Gas- oder  Ofenheizung, aus der Außenluft,
  • Styrol aus Hartschaumprodukten
  • Toluol aus Lösemitteln, z.B. in Lacken und Klebern.

 

Deshalb ist es heute mehr als verwunderlich, dass es weder international noch national umfassenden Gesetze, Richtlinien oder sonstige verpflichtende Handlungsanweisungen gibt. Gleichwohl ist positiv anzumerken, dass es in Deutschland bereits seit 1984 eine Innenraumluft-Hygienekommission (IRK) gibt, die sich vielen Fragestellungen und Problemen widmet und schon einige wegweisende Stellungsnahmen und Empfehlungen abgegeben hat.

 

In den Untermenüs erhalten Sie zusätzliche Informationen, insbesondere zu chemischen Gefährdungen. Die wesentlichen biologischen Faktoren finden sie im Bereich Schimmelbekämpfung und Bakterien sowie Schimmelpilze. Mehr zu den Aufgaben und Ergebnissen der Innenraumluft-Hygienekommission finden Sie unter

UBA-IRK.