Radonmessung

Radon, genauer gesagt das Isotop Radon-222, ist ein Zerfallsprodukt des natürlich vorkommenden radioaktiven Stoffes Uran-238. Radon ist ein Edelgas, das nicht nur geruch- und geschmacklos ist, sondern über eine hohe Mobilität verfügt.

 

Die entscheidende Quelle für Radon in Gebäuden ist die Bodenluft. Die Exhalation aus Baustoffen hat demgegenüber eine völlig untergeordnete Bedeutung. Die Transmission des Radons in das Gebäude erfolgt vor allem durch Konvektion.

Eine hohe Luftwechselrate führt daher automatisch zu einer geringen Radonkonzentration in der Raumluft.

 

Die Diffusion durch die Gebäudehülle hat demgegenüber nur einen geringen Einfluss auf die Radonkonzentration in der Raumluft.

 

Für den Neubau sind zum Schutz vor Radon keine besonderen Lösungen erforderlich, die Abdichtung der erdberührten Gebäudehülle nach den anerkannten Regeln der Bautechnik reicht aus. Das Eindringen radonhaltiger Bodenluft durch Konvektion muss durch eine absolute Dichtheit der Gebäudehülle unterbunden werden, wodurch eine hohe Bauqualität erforderlich wird. Der Einsatz spezieller "Radonfolien", welche einen hohen Diffusionswiderstand haben, ist nicht zwingend erforderlich, da die heute üblichen durchgehenden Betonplatten ohnehin bereits einen hohen Diffusionswiderstand aufweisen. Es ist viel wichtiger zu überprüfen, ob das gewählte Abdichtungssystem eine Verhinderung der Konvektion einfach und sicher erreicht. Für das Passivhaus ist ein geringer Überdruck erforderlich, um konvektive Luftströmungen aus dem Erdreich ins Gebäude umzukehren.

 

Für den Menschen ist das Radon selbst ungefährlich, da es nach dem Einatmen wieder ausgeatmet wird. Problematisch und gesundheitsgefährdend sind jedoch die an den eingeatmeten Aerosolen angehefteten Radon-Zerfalls-produkte, wie Wismut, Blei und Polonium. Letzteres ist durch die Vergiftung des ehemaligen KGB-Agenten Alexander Witlinenko auch in breiten Kreisen der Bevölkerung bekannt geworden.

 

Die radioaktiven Schwermetalle Blei, Wismut und Polonium lagern sich im Lungengewebe ab und die von ihnen abgehende Strahlung zerstört das Lungengewebe. Akute Krankheitserscheinungen gibt es bei den in Gebäuden vorzufindenden Konzentrationen nicht. Die durchschnittliche Radonkonzentration in Wohnräumen in Deutschland liegt bei 50 Bequerel (Bq) pro m³. Dies entspricht 0,8 Millisievert (mSv) und zusammen mit der im Freien vorzufindenden Strahlendosis von 0,1 mSv Radon, macht das Radon jedoch immerhin 45 % der gesamten natürlichen Strahlung-Exposition des Menschen aus.

 

Eine „Radonkrankheit“ in Form eines Lungenkarzinoms entsteht nur nach jahrelanger erhöhter Konzentration von Radon in Gebäuden. Die Wahrscheinlichkeit bis zum Alter von 75 Jahren an Lungenkrebs tödlich zu erkranken, stellt sich daher wie folgt dar:

 

Radonkonzentration in Bq/m³         Anzahl betroffener Personen pro 1.000

               0                                                   4

             100                                                 5

             400                                                 7

 

Zusammenfassend lässt sich daher feststellen, dass das Risiko durch Radon durchaus vorhanden, jedoch recht minimal ist. Wie aus der Radonkarte des Bundesamtes für Strahlenschutz (bfs) zu erkennen ist, gibt es bestimmte Gebiete mit deutlich höheren Radonkonzentrationen in der Luft. Diese sind vor allem im Osten und Süden Deutschlands zu finden. Es sind vor allen Dingen Gebiete in Sachsen und Thüringen, aber auch große Gebiete in Bayern und vereinzelte Cluster im Süden Baden-Württembergs. Dies sind jedoch nur Übersichten, inwieweit ein konkreter Standort davon betroffen ist kann nicht gesagt werden.

 

In vielen Medien werden immer wieder (preiswerte) Radonmessungen angeboten. Zwei wesentliche Dinge sind dabei oft bewusst oder unbewusst ausgeblendet:

 

1. Radon-Messungen sind nur in den Radonbelastungsgebieten und/oder bei schlecht abgedichteten Gebäuden sinnvoll.

2. Grundlage zur Einschätzung eines möglichen Risikos sind Jahresmittelwerte von Radonkonzentrationen in häufig

    genutzten Wohnräumen (Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer). Einmalige Messungen haben keine Aussagekraft (siehe

    auch: Bundesamt für Strahlenschutz, www.bfs.de, Maßnahmen zum Schutz vor Radon).
    So ist im Sommer die Belastung wegen des häufigeren Luftwechsels durch Lüften deutlich niedriger als im

    Winter. Radonmessungen mit Aussagekraft sind daher keinesfalls so preiswert wie angepriesen.

 

Die Ergebnisse der Messungen bedürfen immer einer Interpretation. Justitiable Grenzwerte für Radon in Innenräumen gibt es weder national noch international. Allerdings hat der Rat der Europäischen Union am 5.12.2013 die EU-Richtlinie 2013/59/Euratom verabschiedet, in der Referenzwerte für die Radonkonzentrationen in der Luft im Jahresmittel eingeführt wurden. Dieser liegt bei 300 Bq (Bequerel)/m³ und sollte nicht überschritten werden. Die Richtlinie muss in Deutschland bis 2018 umgesetzt sein.

Im Gegensatz hierzu hat die Weltgesundheitsorganisation einen Leitwert von 100 Bq/m³ empfohlen. Dieser Meinung haben sich sowohl der Ausschuss für Innenraumrichtwerte (früher: Ad-hoc Arbeitsgrupe Innenraumrichtwerte der Innenraumluftkommission des Umweltbundesamtes und der obersten Landesbehörden) und das Bundesamt für Strahlenschutz angeschlossen. Dies wiederum jedoch hat den Fachverband für Strahlenschutz in Deutschland und in der Schweiz auf den Plan gerufen, die eine umfangreiches und besonders gut begründetes Votum für die 300-Bequerel-Grenze abgegeben hat. Das WHO-Handbuch Radon (WHO handbook on indoor radon), die EU-Richtlinie 2013/59/Euratom, der Beschluss des Innenraumrichtwerte-Ausschusses, die Pressemitteilung des Bundesamtes für Strahlenschutzes sowie die Stellungnahme des Strahlenschutzfachverbandes sind weiter unten downloadbar. So kann sich der geneigte Leser im Zweifelsfalle sein eigenes Urteil bilden.

 

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es regionale Bereiche in Deutschland gibt, welche bereits deutlich höhere Werte als 100 Bequerel in der "natürlichen" Außenluft enthalten, machen wir unsere Beurteilungen im Wesentlichen von der allgemeinen Situation vor Ort ab. So beispielsweise wäre es völlig unsinnig an Standorten ehemaliger Uranbaubergwerke einen völlig unerreichbaren Wert als Maßstab zu nehmen. In weniger belasteten Gebieten ist ein niedrigerer Maßstab durchaus sinnvoll.

 

Und auch bei ggfs. durchzuführenden Sanierungsmaßnahmen sollte mit Augenmaß vorgegangen werden. Im Regelfall reicht ein häufiges intensives Lüften, das Abdichten von Undichtigkeiten erdberührter Bauteile (Risse, Fugen, Rohrdurchführungen) oder auch nur das Abdichten von Kellertüren, aus.

WHO_Handbook_on_indoor_radon.pdf
PDF-Dokument [595.0 KB]
Richtlinie_2013_59_Euratom.pdf
PDF-Dokument [2.0 MB]
Pressemitteilung_Radon_BfS.pdf
PDF-Dokument [11.9 KB]