Richtwert I und Richtwert II

Flüchtige organische Verbindungen (VOCs) sind die hinsichtlich von Häufigkeit und Wirkung die bedeutensten Verunreinigungen in Innenräumen, und häufig einzeln oder in Kombination verantwortlich für unspezifische Beschwerden. Bereits in den 80-iger Jahren wurden über 800 Stoffe in Innenräumen nachgewiesen, wieviele es genau gibt, welche hinzukommen und welche verschwinden, ist nicht bekannt.

Gleichwohl ist es wichtig so viel wie möglich Stoffe zu kennen, und deren Bewertung hinischtlich von Gesundheitsrisiken und -einschränkungen festzulegen. Dazu dienen spezifizierte Werte. In vielen Veröffentlichungen ist von Auffälligkeitswerten, Grenzwerten, Vorsorgewerten, Zielwerten, Eingriffswerten, Hintergrundwerten und eben Richtwerten zu lesen. Letztere haben für die Beurteilung der Innenraumluft sehr große Bedeutung gewonnen seit diese 1993 erstmalig durch die Ad-hoc Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte im Umweltbundesamt veröffentlicht wurde. Im März 2015 wurde diese Arbeitsgruppe in den Ausschuss für Innenraumwerte (AIR) umbenannt.

 

Richtwerte haben zwei unterschiedliche Wesensmerkmale. Das erste ist die "Ableitung", d.h. wie werden diese Richtwerte ermittelt. Hierzu gibt es zwei Verfahren und zwar die toxikologische und die statistische Ableitung. Bei den toxikologisch abgeleiteten Werten werden im Tierexperiment verschiedenen Konzentrationen appliziert, um Wirkungsschwellen zu finden. Alternativ werden Erfahrungen aus Arbeitsplatzkonzentrationen herangezogen. Dabei werden vulnerable Gruppen über Unsicherheitsfaktoren abgebildet. Wie genau die Vorgehensweise ist wurde 1996 im  Basischema für Richtwerte in der Innenraumluft, fortgeschrieben durch die 2012 veröffentlichte "erste Fortschreibung des Basisschemas", vorgestellt. Die beiden Bekanntmachungen sind weiter unten als Download zur Verfügung gestellt.