Macht Schimmel krank?

Immer wieder wird behauptet und geschrieben, dass Schimmel krank macht. Diese generalisierende Aussage ist falsch! Schimmel per se macht nicht krank. Das Gegenteil kann sogar gelten, denkt man an die Millionen von Menschen, die ihr Leben Penicillinen zu verdanken haben.

 

Auch die regelmäßig vorzufindenden Kommentare von "Schimmelpilzspezialisten", ja sogar von angesehenen Laboren, dass Schimmel krank machen kann, ist im Rahmen einer seriösen Betrachtung nur als "Panikmache" einzustufen.

 

Richtig ist vielmehr, dass bestimmte Schimmelpilze, Hefen und andere bestimmte vergesellschaftete Mikroorganismen unter bestimmten Bedingungen bei bestimmten Personen und/oder Personenkreisen Beeinträchtigungen und Erkrankungen hervorrufen oder hervorrufen können. Richtig ist ebenfalls, dass Schimmelpilze, dessen Fraktionen und andere vergesellschaftete Organismen gesundheitliche Risiken beinhalten können.

 

Ob sich durch eine Belastung mit o.a. Mikroorganismen bei Feuchteschäden in Innenräumen gesundheitliche Beeinträchtigungen einstellen oder eingestellt haben, kann nur durch eine vom Arzt erstellte dispositionsbasierte Risikobewertung erfolgen.

 

Häufig werden im Zusammenhang mit Ergebnissen von Untersuchungen wie z.B. Raumluftmessungen, Partikelsammlungen und Staubprobenanalysen Rückschlüsse auf die Gesundheit gezogen. Dies ist nicht nur unzulässig, sondern in höchstem Maße unseriös, dient aber gerne zur Verunsicherung und Verängstigung betroffener Verbraucher. Deshalb gilt:

 

"Messtechnisch erfasste und objektive Resultate von Schimmelpilzbelastungen dienen nach heutigem Wissenschaftsstand ausschließlich dem Nachweis, dass eine Belastung durch einen Feuchtigkeitsschaden überhaupt vorliegt und/oder der Beweissicherung. Ein eindeutiger Kausalzusammenhang aus wie auch immer gearteten Schimmel/Partikel-Messergebnissen und gesundheitlicher Beeinträchtigung gibt es nicht". (siehe auch Prof. Dr. Gerhard A. Wiesmüller et al, 2013 und Leitfaden Umweltbundesamt).

 

Im Zusammenhang mit Feuchteschäden und der Exposition von Schimmelpilzen werden mögliche Infektionen, Allergien (einschl. Sensibilisierungen), toxische Wirkungen und allgemeine Geruchs- und Befindlichkeitsstörungen genannt.

 

Schimmelpilzinfektionen

Bei einer Betrachtung der häufigsten Todesursachen durch Infektionserkrankungen hat sich herausgestellt, dass Pilzinfektionen unter den Top 10 liegen und an Bedeutung zunehmen (Werner J. Heinz, Universitätsklinikum Würzburg).

Allerdings sind hier die Voraussetzungen eine ausgeprägte Schwäche des Abwehrsystems, eine sogenannte Immunsuppression. Dies gilt also nur für Patienten mit mittelschwerer, schwerer und sehr schwerer Immunsuppression /-defizienz. Die Zahl derartiger Patienten hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Dass damit die Zahl der Todesfälle durch Pilzinfektionen ebenfalls gestiegen ist und einen Platz in den Top 10 der Todesursachen durch Infektionserkranken eingenommen hat, ist leider nur allzu selbstverständlich.

Eine sofortige Beendigung einer Schimmelexposition ist für diese Menschen lebensrettend, die Aufdeckung versteckter Schimmelpilzschäden durch Messungen in Innenräumen kann somit Menschenleben retten.

 

Schimmelpilz-Allergien

Heute geht man davon aus, dass zwischen 3% und 10% der Bevölkerung gegen Schimmelpilze sensibilisiert sind (Fischer, G., 2011). Im Rahmen des Kinder-Umwelt-Survey wurden 8,3 % festgestellt, allerdings lag der Wert für Alternaria alternata, einem klassischen Außenluftschimmelpilz, bei 4,8 %. Bei Alternaria alternata ist in einigen wissenschaftlichen Studien das allergene Gefährdungspotenzial nachgewiesen (z.B. Salo et al., 2006). Grundsätzlich gilt jedoch auch für die KUS-Studie, dass in keinem Fall nachgewiesen werden kann, wann und wie die Erstsensibilisierung stattgefunden hat. Im Gegensatz zur KUS-Studie ist darüber hinaus das Bauernkinder-Phänomen zu sehen. In vielen Studien hat sich herausgestellt, dass Bauernkinder und Kinder, die regelmäßigen Kontakt mit Ställen kommen, ein geringeres Risiko haben, an einer Allergie zu erkranken (z.B. Riedler et al.,2000). Gerade diese Kinder sind durch ihre Stallkontakte sehr hohen Konzentrationen von Schimmelpilzen ausgesetzt.

Grundsätzlich muss auch immer zwischen einer Sensibilisierung und einer Allergie unterschieden werden. So kommt es immer wieder zu Aussagen wie: "Ich habe eine Schimmelpilzallergie". Gemeint ist jedoch eine getestete Sensibilisierung.

Bei den zur Verfügung stehenden Testextrakten handelt es sich jedoch überwiegend um außenluftassoziierte Schimmelpilze. Hinzu kommt, dass die Testextrakte eines Schimmelpilzes von unterschiedlichen Herstellern unterschiedliche Allergene enthalten und sich von den real vorkommenden Schimmelpilzen unterscheiden (W. Jorde, 2000). Deshalb gilt: "Da für die meisten innenraumassoziierten Pilze keine validen kommerziell erhältliche Testextrakte für den Nachweis einer Sensibilisierung beim Menschen (sog. Allergietests) zur Verfügung stehen, kann ein positives Testergebnis auf zur Zeit zur Verfügung stehende Testextrakte von Schimmelpilzen (überwiegend außen-luftassoziierte Schimmelpilze) nicht für eine Risikobewertung bei einem vorliegenden Schimmelpilzbefall herangezogen werden" (Prof. Dr. med. Gerhard Wiesmüller, 2013).

Interessant ist im Rahmen der Diskussion um die gesundheitliche Gefährdung durch Schimmelpilze bzw. deren allergenes Potenzial die Tatsache, dass extrazelluläre Polysaccharide von Aspergillen und Penicillinen durchaus eine schützende Funktion haben können (Eder et al, 2006).

 

Ebenso wie bei den Infektionen gibt es bei Allergien nur bestimmte gefährdete Risikogruppen. Dabei handelt es sich z.B. um Patienten mit allergischem Asthma, die bei einer Exposition mit einem schweren, mitunter sogar tödlichen Asthma-Anfall reagieren können.

 

Toxische Wirkungen von Schimmelpilzen

Was die toxischen Wirkungen von Schimmelpilzexpositionen anbelangt herrscht in der Wissenschaft breites "Wenig-wissen". Erschwerend kommt hinzu, dass mit Schimmelpilzen vergesellschaftete andere Mikroorganismen (Endo)Toxine produzieren. Wirkungen und Zusammenhänge (z.B. Multitoxineffekte) sind weitestgehend ungeklärt, unerforscht und letztendlich nicht verstanden.

Wenn Schimmelpilze in Innenräumen mykologisch nachgewiesen werden, kann nicht davon ausgegangen werden, dass Mykotoxine gebildet werden oder wurden. Umgekehrt gilt aber auch, dass Mykotoxine durchaus vorhanden sein könnnen, wenn Schimmelpilze mikroskopisch oder kultivierend nicht nachgewiesen werden können.

Hinweise in Befunden auf Schimmel als Toxin/Mykotxoinbildner helfen nur Ängste bei Betroffenen von Schimmelpilzschäden zu schüren, denn auch die awmf-Richtlinie macht deutlich darauf aufmerksam, dass nach den bisherigen Erkenntnissen Mykotoxin-konzentrationen in der Raumluft systemisch toxikologisch nicht relevant sind.

 

Geruchs- und Befindlichkeitsstörungen von Schimmelpilzen

Geruchswirkungen und Befindlichkeitsstörungen stehen ebenfalls nicht in einem direkten Zusammenhang mit Schimmelpilzschäden. In belasteten Innenräumen liegen komplexe Expositionen vor. Rückschlüsse auf einzelne Komponenten wie Schimmelpilze, Bakterien, Stoffwechselprodukte oder Milbenantigene sind nicht zu ziehen.

 

Zusammenfassend ist daher heute festzustellen:

 

Schimmel per se macht nicht krank. Es gibt besonders zu schützende Risikogruppen wie Personen mit Immunsuppression nach den 3 Risikogruppen der KRINKO, Personen mit Mukoviszidose, Personen mit allergischem Asthma oder besonders exponierte Gruppen wie z.B. Landwirte. Für andere immunkompetente Personengruppen besteht nach heutigem Kenntnisstand allein durch Schimmelpilze keine akute Gesundheitsgefahr.

 

Allerdings ist auch festzustellen: Schimmelpilzbefall von Innenräumen mit möglichen Aus- und Wechselwirkungen vergesellschafteter Mikroorganismen ist aus hygienisch-präventiven Aspekten für alle Personengruppen als bedenklich und gesundheitlich relevant einzustufen, damit nicht zu tolerieren und entsprechend fachlich qualifiziert zu sanieren.

 

Für besonder interessierte Leser haben wir vier wichtige FAQs der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP e.V.) zum Download eingestellt. Darüber hinaus ist im Jahr 2016 die AWMF-Schimmelpilz-Leitlinie, "Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexpositionen in Innenräumen" fertiggestellt worden. Auch diese stellen wir dem interessierten und versierten Leser als Download zur Verfügung.

GHUP_2010_Allergie_Schimmelpilze.pdf
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