UBA Schimmelleitfaden 2016

Im März vergangenen Jahres hat das Umweltbundesamt einen neuen Leitfaden zur Diskussion im Internet vorgestellt. Offiziell trägt er den Titel "Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden („Schimmelleitfaden“)". Damit ist ein weiterer Leitfaden entstanden, der die vorhergehenden UBA-Leitfäden aus dem Jahr 2002 (Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen - Schimmelpilzleitfaden), 2005 Leitfaden zur Ursachensuche und Sanierung bei Schimmelwachstum in Innenräumen - Schimmelpilz-Sanierungsleitfaden und den 2012 leicht aktualisierten, jedoch dann kurzfristig zurückgezogenen Schimmelpilzsanierungsleitfaden ersetzen soll. Mit den Ausführungen des Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart,  "Schimmelpilze in Innenräumen – Nachweis, Bewertung, Qualitätsmanagement, Abgestimmtes Arbeitsergebnis des Arbeitskreises „Qualitätssicherung – Schimmelpilze in Innenräumen am Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 14.12.2001 (überarbeitet Dezember 2004), und der im Jahr 2012 erschienen „Richtlinie zum sachgerechten Umgang mit Schimmelpilzschäden in Gebäuden – Erkennen, Bewerten und Instandsetzen“(Netzwerk Schimmel) und der „Richtlinie zur Erkennung, Bedeutung und Sanierung mikrobiellen Befalls in Innenräumen“ (Sprint Sanierung GmbH) liegen damit vier "Handlungsempfehlungen" zum Thema Schimmel vor. Ergänzt werden diese durch eine Handlungsempfehlung zur Beurteilung von Feuchteschäden in Fußböden, seit 2013 jedoch noch im Entwurfsmodus.

 

Die Fülle dieser und weiterer Richtlinien, Empfehlungen und Handlungsanweisungen zeigt einmal mehr, wie viele unterschiedliche Organisationen und Personen sich dem Thema Schimmelpilze widmen, was durchaus nicht immer hilfreich ist, die in breiten Teilen der Bevölkerung existierende Überbewertung und Hysterie zu entkräften.

 

Hinsichtlich der Grundkonzeption hat sich im neuen Leitfaden nichts geändert. Schimmel oder besser gesagt Feuchte im Innenraum können das Risiko für die Gesundheit erhöhen, es gibt jedoch keine Dosis-Wirkungsbeziehung, geschweige denn lässt sich mit Ausnahme der Infektionen der Schimmel als tatsächlicher Verursacher wissenschaftlich nachweisen. Und wie bekannt sollte aus Vorsorgegründen eine Sanierung zu erfolgen.

 

Gleichwohl gibt es einige Punkte, die sich deutlich geändert haben, von denen wir wiederum nur einige hervorheben können.

Besonders begrüßenswert ist der Umstand, dass der Schimmelbegriff übergeordnet für das mikrobielle Wachstum bei Feuchtschäden verwendet wird. Bakterien, Protozoen und Spinnentiere (Milben) sind mit dem Begriff "Schimmel" nun auch gemeint. Interessant ist der Hinweis, dass Schimmel im Englischen „mould“ genannt wird. Jedoch im nächsten Satz wird geschrieben. „Der Begriff Schimmel bezeichnet nicht nur Schimmelpilze“. Dann jedoch kann es nicht dem englischen „mould“ entsprechen, denn in den WHP guidelines for indoor air quality: dampness and mould (2009) heißt es auf Seite 2, Box 1 Definitions of somer terms used in the guidelines: “Mould: all species of microscopic fungi that grow in the form of multicellular filaments, called hyphae. In contrast, microscopic fungi that grow as single cells are called yeasts, a connected network of tubular branching hyphae has multiple, genetically identical nucleiand is considered a single organism, referred to as a colony”. Hier sollte das UBA einmal gründlich nachdenken,

Neu ist die Präzisierung zwischen Verunreinigung und Befall. Was in unserer Welt biologisch normal ist, d.h. die Oberflächen sind immer mit irgendetwas kontaminiert, wird jetzt als Verunreinigung definiert. Verunreinigung ist nach herrschender Auffassung Materie am falschen Ort, die durch Reinigung entfernt wird. Ob die Bezeichnung "Verunreinigung" wirklich sinnvoll ist, darf mehr als nur bezweifelt werden. Darüber hinaus werden Hintergrundwerte aus einer nicht repräsentativen Untersuchung mit dem Hinweis, dass die nachgewiesenen Konzentrationen nur als erste Orientierung dienen, ausgewiesen. Die Ergebnisse dieses, nochmals: nicht repräsentativen Projektes im UFO-Plan, werden heute schon von Gutachtern als bewiesen dargestellt. Hier wäre es sicherlich sehr sinnvoll, explizit die Begriffe "nicht repräsentativ" zu verwenden.

In Analogie zu anderen öffentlichen Empfehlungen werden die Räume nun auch in Nutzungsklassen mit unterschiedlichen Anforderungen unterschieden. Ob dies im Hinblick auf vulnerable Gruppen sinnvoll ist, bleibt fraglich.

Einen breiten Raum nimmt das Thema Lüftung ein, das durch die Energieeinsparanforderungen stark an Bedeutung gewonnen hat. Unglücklich sind jedoch Begriffe wie richtig heizen und richtig lüften, denn was in einem Fall richtig ist, mag in anderen Fällen nicht ausreichen.

Breiten Raum wird der sogenannten Biozidbehandlung eingeräumt. Zum einen wird der Begriff Biozid verwendet, die bei derartigen Verfahren eingesetzten Produkte fallen jedoch unter die Produktart Desinfektionsmittel. Interessant in diesem Zusammenhang ist die allgemein gehaltene Ausführung "Die wenigen unabhängigen Studien zeigen, dass unter praxisnahen Bedingungen in den meisten Fällen keine oder keine nachhaltige Wirkung durch Biozidbehandlung erreicht werden kann." Warum bei solchen Behauptungen nicht Quellenangaben gemacht werden, lässt tief blicken. Auch die begriffliche Verwendung von "nicht firmenunabhängige Praxisberichte" legt die Vermutung nahe, dass man sich mit diesem Thema nicht ausreichend genug auseinandergesetzt hat.

Eine doch weitreichende Änderung zeigt die Bewertungshilfe für Partikelsammlungen. Waren die Sporentypen, die in der Außenluft erhöhte Konzentrationen erreichen können ein Bewertungskriterium, heißt es jetzt: Die Zählung dieser Sporen ist für das Aufdecken von Schimmelpilzquellen nicht relevant."

Breiten Raum nimmt der Sanierungsbereich ein. Erstmals werden Randfugenabdichtungen als möglich sinnvoll dargestellt. Dass man damit aus einem schwimmenden Estrich einen angeklebten Estrich macht und damit eine definierte Bauausführung und Eigenschaften des Bauteils schwimmender Estrich ändert, ist gewagt.

Besonders löblich ist jedoch der Umstand, dass dieser Leitfaden in Zukunft auch in Österreich Verwendung finden soll.

 

Zusammengefasst wird der neue UBA Schimmelleitfaden 2016 weiterhin nur als grober Rahmen dienen können. Wann dieser neue "Grobrahmen" zur Verfügung steht, ist nach unserem Kenntnisstand bis heute unklar. Hoffentlich schneller als bei der Handlungsempfehlung für Fußböden, der im Juli 2013 als Entwurf vorgestellt und bis heute nicht als Weißdruck umgesetzt ist. Den angesprochenen Leitfaden können Sie hier downloaden.