Ist Trinkwasser/Leitungswasser gesund?

Im März 2003 erscheint der erste Weltwasserbericht der Vereinten Nationen (Water for People Water for Life, The United Nations World Water Development Report) und mit ihm eine Rangliste der Wasserqualität von 122 Ländern. Das Ergebnis zum damaligen Zeitpunkt sensationell. Die Bundesrepublik Deutschland erreicht nur Rang 57. Die Folge, ein Sturm der Entrüstung, selbst die UN bzw. die Unesco veröffentlichten eine Klarstellung zur Rangliste dieser länderbezogenen Wasserqualität. Fakt ist, diese Länderliste war bereits seit 2002 bekannt und stammte aus der Studie „Environmental Performance Measurement von Daniel Esty (Yale University) und Peter K. Kornelius (World Economic Forum). Darüber hinaus outete sich das WWAP (World Water Assesement Programmes), dass das bei der Studie von Esty und Kornelius die Datenlage nicht ausreichend überprüft worden sei, somit auch die Indikatoren in Zweifel zu ziehen sind.

 

Nichtsdestotrotz ist das Internet und sind die Printmedien voll von dem Hinweis auf das schlechte Abschneiden im Zusammenhang mit der ersten Weltwasserbericht, in den seltensten Fällen wird jedoch auf die Problematik mit diesem Ranking und den Klarstellungen hingewiesen.

 

Die mantraartigen Beschwörungen von Experten, dass unser Trinkwasser gesund sind, dass die o.a. Studie fehlerhaft ist und wir eine der besten Trinkwasserqualitäten haben, reißen nicht ab. Ständiges Wiederholen ist jedoch noch nie ein besonders gutes Indiz für den Wahrheitsgehalt von Behauptungen gewesen, im Gegenteil. Deshalb muss man sich die Frage stellen, wie gesund oder ungesund ist unser vielfach gepriesenes Leitungswasser bzw. Trinkwasser tatsächlich?

 

Im Jahr 2015 wurden die Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage des BMBF-Forschungsprojektes (Bundesministerium für Bildung und Forschung) „Sichere Ruhr“ unter dem Titel „Wasser im Blick der Öffentlichkeit“ veröffentlicht. Hierin wird auf Seite 10 ausgeführt: „Es ist die erste repräsentative Umfrage in Deutschland, die sich mit der intuitiven Toxikologie zum Thema Wasser auseinandersetzt, wie seitens der Bevölkerung Grundprinzipien der Risikoabschätzung interpretiert werden, auf denen die Information und Kommunikation des Gesundheitsschutzes aufbaut“.

 

Hinsichtlich der Qualitätsbewertung ergibt sich, dass die überwiegende Mehrheit das Leitungswasser als sehr gut oder gut bewertet. Lediglich 6 % geben eine Negativbeurteilung ab. Immerhin sagen 40 % der Befragten, dass sie regelmäßig Leitungswasser trinken.

 

Diese Studie zeigt deutlich, wie seit Jahrzehnten von entsprechenden öffentlichen, privaten Organisationen und Einzelpersonen eine systematische Legendenbildung zum Thema Trinkwasser erfolgt. Die „Mär vom gesunden Leitungswasser“ hat sich in vielen Köpfen etabliert.

 

In vielen Dingen erinnert dies an die Geschichte des Rauchens. Auch hier wurde der Bevölkerung über Jahrzehnte nicht die Wahrheit kommuniziert. In den 50iger und 60 iger Jahren war das Rauchen gesellschaftlich sehr anerkannt. Es dauerte mehr als 20 Jahre bis sich ein deutlicher Wandel vom gesellschaftlich Akzeptierten zum gesellschaftlich Unerwünschten vollzogen hat. Gleichwohl liegt noch heute der Anteil der Raucher an der deutschen Bevölkerung bei circa 30 Prozent, von den ebenfalls ungesunden neu aufgekommenen Ersatzmethoden wie Sisha-Pfeifen und E-Zigaretten ganz abgesehen.

 

Während sich beim Rauchen Änderungen vollzogen haben, ist dies beim Thema Trink- bzw. Leitungswasser kaum erkennbar. Dabei sollten doch die einschlägigen Fakten bekannt sein.

 

Schon alleine die Tatsache, dass es ein Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Forschung und Bildung gibt, welches sich mit der „intuitiven Toxikologie zum Thema Wasser“ befasst, sollte nachdenklich stimmen.

 

Von den im Laufe eines jeden Jahres immer wiederkehrenden Meldungen aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands über Probleme mit Trinkwasser und Warnhinweisen vor dem Verzehr von Leitungswasser ganz abgesehen.

 

Unabhängig davon gibt es eine weltweite Trinkwasserrichtlinie (WHO), es gibt eine europäische Trinkwasserrichtlinie und eine deutsche Trinkwasserverordnung. Letzteren ist gemeinsam, dass diese über einklagbare Grenzwerte von Schadstoffen verfügen. Dass diese Grenzwerte darüber hinaus jedoch sehr kritisch beurteilt werden müssen, zeigt sich zum Beispiel beim Thema des Pflanzenschutzmittels Chlortoluron. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sollte der Grenzwert im Trinkwasser bei 30 µg/l liegen. Die europäische Trinkwasserrichtlinie und die deutsche Trinkwasserverordnung haben überhaupt keine Grenzwerte für dieses Herbizid. Und dies obwohl im Jahr 2001 und 2002 mehrfach eine Trinkwassergewinnung aus Rheinwasser in den Niederlanden aufgrund zu hoher Chlortoluron-Gehalte verboten werden musste. Da hilft es auch nicht viel, wenn Länder wie Deutschland und die Niederlande chlortoluronhaltige Produkte zwischenzeitlich verboten haben, während in Frankreich, Luxemburg und Belgien diese Pflanzenschutzmittel nach wie vor zugelassen sind.

 

Ein weiterer interessanter Punkt in der deutschen Trinkwasserverordnung ist beispielsweise auch der Hinweis „Es brauchen nur solche Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe und Biozidprodukt-Wirkstoffe überwacht zu werden, deren Vorhandensein im betreffenden Wassereinzugsgebiet wahrscheinlich ist“. Was aber ist wahrscheinlich? Ist es wahrscheinlich, dass beispielsweise bei der Leitungswassergewinnung aus der Mosel chlortoluronhaltige Herbizide vorhanden sind? Schließlich entspringt die Mosel in Frankreich und führt über viele km durch Frankreich und Luxemburg, in denen das aufgeführte Herbizid weiterhin ohne Einschränkung zugelassen ist.

 

Von diesem Beispiel abgesehen ist überhaupt nicht klar, worauf die Grenzwerte basieren. Sind das toxikologischer Werte, handelt es sich um statistische Werte und warum gibt es bei der Weltgesundheitsorganisation niedrigere Werte als in Europa und umgekehrt? Im Übrigen beweisen diese juristischen Regelungen die Tatsache, dass Trink- und Leitungswasser mit Schadstoffen belastet sind und so vom Trinkwasserproduzenten bereitgestellt wird. Wie kann aber etwas mit Schadstoffen belastet sein und in die öffentlichen Netze gegeben werden, was als gesund bezeichnet wird?

 

Interessant im Zusammenhang mit der toxikologischen Bewertung von Trinkwasser ist der Umstand, dass Schadstoffbereiche von den Trinkwasserproduzenten überhaupt nicht oder kaum beachtet werden. Dazu gehören Arzneimittel und andere Drogen. So schreibt die „Pharmazeutische Zeitung online“:

„Von den Flüssen und Seen, aber auch durch Tierarzneimittel belastete Böden können Arzneistoffe ins Grundwasser und von dort ins Trinkwasser gelangen. Anfang der 1990er-Jahre wurde in Berliner Trinkwasserquellen Clofibrinsäure entdeckt, vor vier Jahren Carbamazepin im Trinkwasser des Berliner Reichtags. Inzwischen wurden 15 verschiedene Arzneistoffe in deutschen Trinkwasserproben nachgewiesen. Die gemessenen Konzentrationen sind mit wenigen Nanogramm pro Liter deutlich niedriger als im Oberflächen- und Grundwasser“.

 

Auch wenn die Einzel-Konzentrationen als niedrig gelten, sind diese als Schadstoffe zu bezeichnen und entsprechend zu behandeln. In der Risikoabschätzung ist es jedoch leider bis heute völlig ungeklärt, welche Wechselwirkungen mit anderen Schadstoffen, selbst wenn diese unter den Grenzwerten liegen, kurz-, mittel- und langfristig haben. Auch ist keinesfalls ausschließbar, dass der hohe Konsum von Drogen am Rhein und dessen Nebenflüssen nicht zu unerwünschten und gefährundungspotenziellen Wirkungen auf das Trink- und Leitungswasser führt. So weiß man aus Wasseranalysen, dass jährlich etwa 9 Tonnen Kokain von den Anwohnern am Rhein und dessen Nebenflüssen konsumiert werden. In Köln werden im Übrigen 1/3 des Trinkwassers aus Uferfiltrat produziert. Nach Aussagen von Kölnern Versorgern „gesund und sicher“, „Trinkwasser – Ein Schluck Lebensqualität“ oder „in hervorragender Qualität“. Ob diese vollmundigen Werbeaussagen bei näherem Hinsehen realistisch sind, bleibt zur Bewertung dem geneigten Leser überlassen.

 

Wer nach den o.a. Aussagen noch immer nicht davon überzeugt ist, dass unser Trinkwasser ein industrielles Risikoprodukt darstellt, sollte sich den folgenden Tatsachen stellen.

 

Jedes Jahr sterben mehr als 3.000 Menschen an im Trinkwasser durch die von den öffentlichen Versorger ständig gelieferten und in den häuslichen Trinkwasserinstallation sich vermehrenden mikrobiellen Schadstoffen. Die systemimmanente Belieferung mit mikrobiologischen Lasten durch die Wasserversorger führt darüber hinaus zu beispielsweise zig Zehntausenden Erkrankten durch Legionellosen (Capnetz-Studien: von Baum H, Ewig S, Marre R, Suttorp N, Gonschior S, Welte T, Lück C: Competence Network for Community Acquired Pneumonia Study Group (2008) Community-acquired Legionella pneumonia: new insights from the German competence network for community acquired pneumonia. Clin Infect Dis 2008; 46 (9): 1356 – 1364 und

von Baum H, Lück C: Ambulant erworbene Legionellenpneumonie. Aktuelle Daten aus dem CAPNETZ. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 2011; 54 (6): 688 – 69).

 

Ganz abgesehen von der Legionellenproblematik gibt es immer wieder auftretend Probleme durch Pseudomanas aeruginosa, Noroviren oder anderen Mikroorganismen. Und unabhängig von den mikrobiologischen Gefahren, gibt es chemische und radiologische Risiken, die jedoch weitestgehend unerforscht sind.

 

Gerne wird von den Wasserversorgern darauf hingewiesen, dass diese ja nur „bis zur Wasseruhr“ verantwortlich seien. Einmal mehr versucht man sich aus der Verantwortung zu ziehen. So ist unter anderem im Abschlussbericht des BMBF-Projektes „Vermeidung und Sanierung von Trinkwasser-Kontaminationen durch hygienisch relevant Mirkroorganismen aus Biofilmen der Hausinstallation“ zu lesen:

„Die Versorgung mit mikrobiologisch einwandfreiem Trinkwasser ist eine der Hauptanforderungen der Wasserversorgungs-infrastruktur“. Wenn jedoch an der Wasseruhr nachgewiesenermaßen „ungesundes“ Wasser angeliefert wird, kann es sich in der Trinkwasserinstallation der Gebäude nur verschlechtern, sofern der Eigentümer der Gebäudeinstallation nicht nachhaltig für eine endständige Aufbereitung des Trinkwassers zu einem gesunden Leitungswasser sorgt.

 

Dies ist durch Ultrafiltrationssysteme, Umkehrosmoseanlagen oder sonstige Filter, wie z.B. endständige Sterilfilter für Wasserauslässe in Risikobereichen des Gesundheitssystems möglich.

 

Den Verbreitern der „gesunden-Trinkwasser-Mär“ muss daher dringend der Kampf angesagt werden. Das uns zur Verfügung gestellte Trinkwasser ist durchaus lebenswichtig, lebenswichtig bedeutet jedoch keinesfalls im Zweifel „lebensbedrohend“. Tausende von Verstorbenen an Legionellosen oder Infektionen durch pseudomonas aeruginosa sind Realität.

 

Allen Verbrauchern kann daher nur dringend angeraten werden, für eine „endständige“ Aufbereitung des belasteten Trinkwassers zu sorgen. Ob Umkehrosmoseanlagen oder Filtrationssysteme ist jedem selbst überlassen. Wir jedenfalls empfehlen eine Kombination von „Basisfiltration“ nach der Wasseruhr, gegebnenfalls kombiniert mit einer Osmoseanlage mit oder ohne Nachmineralisierung an der Zapfstelle. Allerdings bedürfen derartige Anlagen einer regelmäßigen Kontrolle, da sie ansonsten aus dem gelieferten „belasteten“ Wassers noch deutlich gesundheitsgefährdenderes Trinkwasser machen.

 

Sollten Sie weiteren Aufklärungsbedarf haben, sprechen Sie uns an, oder wenden Sie sich an einen unserer empfohlenen Partnerbetriebe wie z.B. www.puravit.de.