Masernvirus

Sowohl für die Weltgesundheitsorganisation, als auch für die Bundesrepublik Deutschland gehört die Ausrottung der Masern zu einem wesentlichen gesundheitspolitischem Ziel. Gleichwohl kommt es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen wie im Januar und Februar 2015 in Berlin, bei der leider auch ein Todesopfer zu beklagen war. Auch in anderen Gebieten Deutschlands treten immer wieder Masernepidemien auf. So erkrankten 2006 in Duisburg 614 Menschen, für zwei Kinder kam dabei jede Hilfe zu spät, ein Drittes ist schwer geschädigt. Davor (2004/2005) waren die Bundesländer Bayern und Hessen von regionalen Ausbrüchen betroffen. Ursachen sind nach einhelliger Meinung von Ärzten und Gesundheitsorganisationen die niedriger gewordenen Durchimpfungsraten.

 

Der Masern-Virus ist weltweit verbreitet, gehört zur Gattung der Morbilliviren und kommt aus der Familie der Paramyxoviridae. Hierbei handelt es sich um 100 bis 250 Nanometer (100 bis 250 Milliardstel Teil eine Meters!) große einsträngige RNA, welche behüllt sind. Die genetische Unterscheidung des Masern-Virus erfolgt in 8 sogenannte Clades (Gruppen) mit 23 Genotypen.

 

Der Virus ist klassisch humanpathogen. Die Entstehung wird auf das frühe Mittelalter (11./12. Jahrhundert) datiert. Masernerkrankungen müssen nach dem Infektionsschutz-gesetz seit 2001 gemeldet werden, wobei auch heute noch von einer gewissen Dunkelziffer auszugehen ist.

 

Die Übertragung erfolgt aerogen/ (Aerosole/Tröpfchen) oder durch Kontakt mit infektiösen Sekreten aus Nase und Rachen. Die Kontagiösität ist extrem hoch, denn schon wenige Viruspartikel genügen als minimale Infektionsdosis.
Ungeimpft führt der Kontakt mit dem Masern-Virus bei fast jedem zur Krankheit, d.h. der Kontagionsindex liegt bei nahezu 100 Prozent. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 8 und 10 Tagen und 14 bis zu 21 Tagen bis zum Ausbruch des Exanthems (Hautausschlag). Die Ansteckungsfähigkeit beginnt circa 5 Tage vor Auftreten des Ausschlags und hält bis 4 Tage nach Auftreten des Ausschlags  an. Unmittelbar vor Erscheinen des Exanthems ist die Ansteckungsfähigkeit am größten.

 

Masernviren führen zu einer Infektion in zwei Phasen. Die Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen, Konjunktivitis, Schnupfen und Husten. In der zweiten Phase kommt es zum bekannten Masernexanthem, das zwischen vier und sieben Tagen anhält. Starke bakterielle Infektionen wie Lungenentzündungen und schwere Durchfälle können die Krankheit begleiten. Besonders gefährlich sind die, wenn auch seltenen, Gehirnhautentzündungen, die mitunter (bis zu 20 %) tödlich verlaufen.
Obwohl Masernerkrankungen dafür bekannt sind, dass sie eine lebenslange Immunität hinterlassen, kann es zu einer späten und sehr schweren subakuten sklerosierenden Panenzephalitis, bekannter unter dem Begriff SSPE, kommen. Diese Spätfolgen können bis zum Verlust von Hirnfunktionen und damit zu schwerwiegenden Schädigungen führen.


Wie bei allen Viruserkrankungen gibt es keine spezifische antivirale Therapie. Eine weitest gehende Ruhe sollte eingehalten werden, fiebersenkende und gegebenenfalls hustenlindernde Medikamente können verabreicht werden. Im Falle von schwerwiegenden Infektionen sind selbst-verständlich Antibiosen einzuleiten.


Neben dem Vermeiden von Kontakten ist die beste Prävention eine Impfung. Gegen die Impfung werden viele Argumente von Impfgegnern ins Feld geführt (z.B. „Maserntodesfälle in Duisburg von Robert Faulborn). Die Tatsache, dass jedoch von 1.000.000 geimpften Menschen nur eine Komplikation auftritt, während bei nicht geimpften und erkrankten Personen 1 Todesfall auf 1.000 Erkrankte zu beklagen ist, kann am Sinn einer hohen Durchimpfung nicht zweifeln lassen. In Ländern, in denen die Impfraten durch Pflicht oder Freiwilligkeit hoch sind, gelten die Masern als ausgerottet. Dies gilt selbst für die USA, ein Land, welches nicht dafür bekannt ist den Menschen ein gutes Gesundheitswesen breitflächig und kostenlos zur Verfügung zu stellen.

 

Masernviren sind gleichwohl nicht durch die umgebende Kapsidhülle gut geschützt. Deshalb sind sie auch leicht zu bekämpfen, unsere viruziden Desinfektionsmittel sind ausgezeichnet zur Inaktivierung geeignet. Bei Masern- oder ähnlichen Krankheits- ausbrüchen in Gemeinschafts-einrichtungen (z.B. Kindergärten, Schulen) sollte neben der vorübergehenden Schließung immer eine Desinfektion bestimmter Bereiche sowie eine Kalt- oder Heissvernebelung mit high-viruzid wirkenden Mitteln (wie z.B. unsere Fruchtsäure) durchgeführt werden.