Rotavirus

Die Rotaviren gehören zu den von der Allgemeinbevölkerung völlig unterschätzten Krankheitserregern. Aufgrund von Rotaviruserkrankungen sterben alljährlich weltweit über 400.000 Kinder1) unter 5 Jahren, darunter auch immer wieder Kinder in entwickelten Industrienationen.

 

Rotaviren sind ubiquitär, d.h. sie sind überall zu finden. Taxonomisch gehören diese zur Unterfamilie der Sedoreovirinae und diese zur Familie der Reoviridae. Im Baltimore-System der viralen Klassifikation handelt es sich um die Gruppe 3. Die Viren sind unbehüllt. In dem ikosaedrischem Kapsid befinden sich 10 bis 12 Segmente linearer doppelsträngiger RNA (dsRNA). Man kennt 7 Serogruppen (A,B,C,D,E,F,G), wobei die der Gruppe A die höchste epidemiologische Bedeutung zukommt. Rotaviren kommen als humane Vertreter vor, treten aber auch bei Tieren auf. Dabei ist festzustellen, dass es sich um zoonotische Erreger handelt, d.h. eine Ansteckung von Tier auf Mensch ist möglich.

 

Die Übertragung erfolgt überwiegende fäkal-oral (d.h. durch Handkontakt mit kontaminierten Flächen). Dies ist unter anderem ein Grund dafür, dass Kleinkinder, die sich nicht sorgfältig genug die Hände waschen können, leicht zum Überträger werden und damit sich und andere infizieren. Da mit einem Gramm Stuhl 100 Milliarden und mehr Viren ausgeschieden werden können, ist die hohe Ansteckungs-fähigkeit nicht verwunderlich. Denn es reichen – ähnlich wie beim Norovirus – schon 10 Viruspartikel zur Infektion eines Kindes aus.

 

Die Inkubationszeit liegt zwischen 1 und 3 Tagen. Die Ansteckungsfähigkeit besteht während der Krankheit und solange das Virus mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Dies kann bis zu einer Woche in besonderen Fällen jedoch auch wesentlich länger dauern.

 

Die durch das Virus hervorgerufenen Magen-Darm-Erkrankungen sind durchweg heilbar. Sie können leichterer Natur sein (subklinische Infektionen, leichte Diarrhoe), aber auch zu schweren Erkrankungen mit Klinikaufenthalten führen. Das Krankheitsbild lässt sich dabei kaum von anderen infektionsbedingten Gastroenteritiden unterschieden werden. Die Erkrankung beginnt akut mit wässrigen Durchfällen und Erbrechen, hinzu kommen Fieber und Bauchschmerzen. Die genannten Symptome ziehen sich im Regelfall zwischen 2 und 6 Tagen hin.

 

Eine antivirale Behandlung gibt es nicht, die Therapie erfolgt durch Ausgleich der verlorengegangenen Flüssigkeiten und Elektrolyten. Gegen eine Infektion mit Rotaviren kann man sich impfen. Auch die ständige Impfkommission (STIKO) hat eine routinemäßige Impfung (Schluckimpfung) von Säuglingen unter 6 Monaten empfohlen, der Impfschutz ist jedoch auf 2 bis 3 Saisons begrenzt. Auch ältere Kinder und Erwachsene können so immer wieder zum Patienten werden.

 

Zur Vermeidung von Übertragungen gilt als oberste Prämisse die Einhaltung von Händehygiene. Insbesondere in Einrichtungen ist eine systematische und prophylaktische Desinfektion der Flächen notwendig, selbstverständlich nur mit viruzid oder high viruzid wirkenden Desinfektionsmitteln. Im Krankheitsfalle sind die betroffenen Personen weitestgehend zu isolieren, Besuche in Familien mit Krankheiten sollten daher unbedingt vermieden werden, auch hier sollten die patientennahen Flächen desinfiziert werden, da das Virus über längere Zeiträume auf Oberflächen persistieren kann und auch infektionstüchtig ist.

Entsprechende Hände- und Flächendesinfektionsmittel sind selbstverständlich von uns beziehbar, im Übrigen auch als Dual-Use-Produkte, d.h. für den desinfektorischen Einsatz bei Medizinprodukten in den unterschiedlichsten Einrichtungen.

 

1)Tate JE, Burton AH, Boschi-Pinto C, et al. 2008 estimate of worldwide rotavirus-associated mortality in children younger than 5 years before the introduction of universal rotavirus vaccination programmes: a systematic review and meta-analysis. Lancet Infect Dis 2012 Feb;12(2):136 – 41.